Streiflichter Nr..169 vom 9.10.2012

(1) Neue Nacktwander-Initiative

Vor ein paar Wochen erreichte mich eine Nachricht aus Frankreich, in der mir von einem neuen Nacktwander-Verein berichtet wurde.

Nach dieser Info taten sich am 14.August - auf Initiative von Bernard – Aktivisten unter den Vereinsnamen „Les Marcheurs Nus du Val de Roanne (MNVR)“ (Marcheurs Nus = Nacktwanderer) in einer konstituierenden Versammlung zusammen.

Der neue, inzwischen mit Annahme der Satzung durch den zuständigen Gemeinderat anerkannte Verein ist meiner Zählung nach bereits der dritte, explizit dem Nacktwandern gewidmete Verein in Frankreich.

Die Gruppe „MNVR“ hat sich bereits ein Logo spendiert


http://mnvr.e-monsite.com/medias/site/logos/logo-mnvr-site.jpg

und wartet nun auf die endgültige Veröffentlichung im Amtsblatt, mit der bis spätestens Ende diesen oder Anfang nächsten Monats zu rechnen ist. Wie ich vernahm ist auch die Mitgliedschaft im französischen Verband der Wandervereine (Fédération Française de la Randonnée Pédestre, FFRP) beantragt.

Ich will der Initiative den gleichen Erfolg wünschen, wie er auch uns beschieden ist und im Vorgriff auf diesen Erfolg mit einem Bild des Initiators – natürlich bei einer Nacktwanderung – schließen:


http://mnvr.e-monsite.com/medias/album/marche-au-bord-de-la-falaise-01.jpg


(2) Nacktkegeln – jetzt auch in den Niederlanden

„Nacktkegeln in Frankfurt“
„Nacktkegeln in Hamburg“
„Nacktkegeln in München“
„Nacktkegeln in Hannover“
„Nacktkegeln in Berlin“
„Nacktkegeln in Blackpool, UK“
„Nacktkegeln in Darien, Georgia“
„Nacktkegeln in ...

Das sind die Überschriften, die einer unserer Freunde aus den Niederlanden las.

Und dann ??

Es arbeitete in ihm.
Und dann kam grade so, wie ich es mir wünsche :

„Warum nicht auch in den Niederlanden ?“, fragte er sich.

Es kam noch besser : Er beließ es nicht bei der Frage, sondern schritt zur Tat.

Eine Anfrage beim Verband der niederländischen Naturisten „Naturisten Federatie Nederland (NFN)“ und bei einem Bowling-Bahn-Betreiber wurden positiv beantwortet.

In Folge wird es nun wohl ein NFN-Nackt-Bowling in den Niederlanden geben.

Im Februar 2013.
In Utrecht.

Ich sehe schon vor meinem geistigen Auge die Überschrift eines der Streiflichter vom März 2013:

„Nacktkegeln in Utrecht“ (für die Puristen: „Nackt-Bowlen in Utrecht“)

Um mich darauf schon einmal ein wenig vorzubereiten, hier ein Foto vom - auch der AANR angehörenden FKK-Verein - „Native Woods Naturists Park“ bei Darien in Georgia, der regelmäßig Nacktbowling-Veranstaltungen (z.B. am 18. November 2012) organisiert :


http://www.nativewoodsnaturistspark.com/images/xsc_0004.jpg


(3) Mit Pauken und Trompeten ... Freigesprochen

Hier wieder einmal etwas aus der juristischen Abteilung.
Genauer: Aus England.

Dort hatten wir im vergangenen Monat eine zwar unbeachtete, aber für die Zukunft des Nacktwanderns überaus wichtige Berufungsverhandlung, in der wesentliche Landmarken gesetzt wurden.

Am 21.09.12 waren drei Richter, die „Anklage“, der „Betroffene“ und sein Rechtsbeistand im „Leeds Crown Court“ zusammengekommen, um in einer Berufungsverhandlung über einen Nacktwanderer zu verhandeln, der sich – zumindest nach Meinung der Anklage – einer „public order offence“ („Ordnungswidrigkeit“) schuldig gemacht hatte.

Was war geschehen ?

Nigel Keer war im Oktober des vergangenen Jahres ohne Kleidung auf einem Weg in einem landschaftlich reizvollen Sumpfgebiet gewandert. Gelegentliche Begegnungen mit anderen Wandernden verliefen - nach Keers Aussage - ohne Probleme. Zumindest so lange bis ein nicht im Dienst befindlicher Polizeibeamter, der zufälligerweise ebenfalls den Wanderweg nutzte, auf ihn aufmerksam wurde, woraus – mit Zwischenschritten, die ich jetzt überschlage – eine „Bußgeld-Forderung“ der Behörde an Nigel Keer entstand, der er widersprach. Nach weiteren Zwischenschritten – ich überschlage die Verhandlung in der ersten gerichtlichen Instanz - lag nun am 21.09.12 eine Berufungsverhandlung an.

Dr. Michael Arnheim, der Nigel Keer beistand, hatte sich mächtig für seinen Mandanten „ins Zeug gelegt“.

Ich will es kurz machen :

Nach zweiwöchiger Beratungszeit fiel das Urteil, in dem Niegel Keer vom Vorwurf durch Nacktwandern die „öffentliche Ordnung“ gestört zu haben, freigesprochen wurde.

Ich will den „vorsitzenden“ Richter Guy Kearl zitieren:

“This behaviour [gemeint ist das Nacktwandern von Niegel Keer] was not carried out in front of a school or in the street in a town centre. It took place on moorland in broad daylight.
In view of the location of this incident, the time of day and the reaction of others as we have found it to be, we do not consider that anyone was likely to be harassed by this behaviour or intimidated or distressed.”

Dem möchte ich jetzt erst einmal nichts hinzufügen.


(4) Diskussionen auf La Gomera

Kürzlich zitierte ich hier kurz aus einem Bericht, in dem - durchaus sportlich anspruchsvolle - Nackt-Ausflüge auf Gomera geschildert wurden.

Nun erreicht mich die Information über eine Diskussion im Stadtrat von San Sebastián, der Hauptstadt von La Gomera, die ich euch nicht vorenthalten will :

Die Stadträtin Marisa Perez brachte einen Antrag zur „Verbesserung des Zusammenlebens“ ein. In ihrer Erläuterung ist zunächst allgemein von der „Koexistenz zwischen Einwohnern und Strand-Besuchern“ die Rede, die es zu fördern gelte. In diesem Zusammenhang spricht sie auch von „attraktiven Bereichen für den Tourismus“ und einem „Rechtsrahmen, der allen Respekt, Integrität und Sicherheit gewährleistet“. Viele kleine Buchten - so Marisa Perez weiter - seinen von FKK-Anhängern genutzt, was zu Spannungen mit denjenigen führe, die Badebekleidung vorzögen.


http://gomeraverde.es/upload/img/periodico/img_15080.jpg

Daher schlug sie vor, eine Kommission zu bilden, die die Strände im Bereich der Gemeinde auf ihre Nutzungsmöglichkeiten hin untersuchen und dann spezielle Bereiche als FKK-Strände deklarieren solle.

Der Stadtrat lehnte den Vorschlag mit den Stimmen der PSOE-CC (und der Enthaltung der „Nueva Gomera“) ab.

Interessant ist hier nun die Begründung des Bürgermeisters von San Sebastián, Angel Luis Castilla, für die Ablehnung :

Seiner Ansicht nach sollten die Strände der Gemeinde nicht [explizit für oder gegen FKK] definiert oder ihre Verwendung dementsprechend begrenzt werden. In diesem Zusammenhang sprach er von „tolerancia social“ („sozialer Toleranz“) und dass der Bekleidungsgrad ganz den Menschen, die frei drüber entscheiden können, überlassen bleiben soll.


(5) Theatralisches

Vor rund 40 Jahren entstand unter der Regie des italienischen Regisseurs Franco Zeffirelli der Film „Fratello Sole, Sorella Luna“, der Ideen nacherzählt, die „Franz von Assisi“ zugeschrieben werden. Es ist eine sehr helle Geschichte – und damit vielleicht sogar untypisch für das vermeintlich dunkle, kalte Mittelalter.

In einer sehr theatralischen Sprache wird viel Schönheit der Natur, die als Abbild Gottes begriffen wird, beschrieben.


http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/8/8d/Brother_sun_sister_moon.jpg

Aber das ist noch nicht alles.

In einer der Schlüsselszenen befreit sich „Franz von Assisi“ - während er "liederliche" Reden führt und "unsagbar Ungeheuerliches" fordert - von einengender Bekleidung :


http://youtu.be/zcpHRJREQh4

Aus den zunächst bestürzten und erstaunten, dann aber auch erwartenden Blicken und Körperhaltungen seiner Mitmenschen (insbesondere des einfachen Volkes) meine ich den Wunsch nach einem freien, selbstbestimmten Leben abzulesen. Da wirkt der hilflose Ruf "Cover him up" (Bedeckt ihn) irgendwie schon wieder lächerlich.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

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