Streiflichter Nr..173 vom 28.11.2012

(1) Nacktes Olympia – in Brasilien

Als ich vor vielen Wochen aus den Reihen des SPNat, einem seit fast einem Jahr im Verband der brasilianischen Naturisten „Federacio Brasileira de Naturismo  (FBrN)“ organisierten FKK-Verein, angeschrieben und nach Vorschlägen zu einer verbindend wirkenden, sportlichen Veranstaltung gefragt wurde, habe ich geraten, die spielerischen Aspekte nicht zu vergessen und ein möglichst breit angelegtes Angebot zu machen.

Das es am Wochenende 16.-18.11.12 dann – zugegebenermaßen großzügig gezählt – in Guaratinguetá fast 30 nackte „Wettbewerbe“ wurden, war aber selbst für mich doch überraschend.

Als Überschrift hatten die Naturisten „Olimpiadas Naturistas“ gewählt - offensichtlich in Anspielung auf die „olympischen Sommerspiele“, die für das Jahr 2016 in Rio de Janeiro geplant sind.


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Aber neben der Nacktheit der Teilnehmenden unterschied sich die Veranstaltung noch in einem anderen Punkt vom „großen“ Vorbild, denn hier standen nicht die Einzel- sondern die Teamleistungen im Vordergrund.

In Kurz: Es wurden gemischte Mannschaften zusammengestellt, die unter verschiedenen Farben miteinander antraten.

Schon seit einer ganze Woche liegen bei mir etliche Berichte zu der Veranstaltung vor, aus denen ich hier nun kurz zitieren will.

Natürlich ging es im Wettbewerbs-Programm, das vom frühen Morgen bis weit in die Nacht reichte, auch um Merkmale wie „höher“, „weiter“ und „schneller“.

Aber nicht nur.

Ich will dies durch zwei Fotos vom „3-km-Lauf“ verdeutlichen. Das erste zeigt einen Läufer – ganz weit vorne – aus der Abteilung „Schneller“:


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Das zweite Foto zeigt ein von der Intention, Leistungsfähigkeit und Altersverteilung her breit gestreutes Feld – aus der Abteilung „Breitensport“:


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Da wundert es nicht, dass auch das klassische Body-Painting seinen Platz hatte.

„Und ?? Wer hat gewonnen ???“

Gewonnen hat das „rosa“-Team.


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Die zweite Person von links ist übrigens Roselinda Santana, die rührige Vorsitzende des SPnat, die uns in einem der nächsten Streiflichter noch einmal begegnen wird. Sie war mit einer kleinen „Delegation“ aus dem mehrere hundert Kilometer entfernten São Paulo angereist.

Gewonnen hat aber auch der Naturismus in Brasilien, dessen familienfreundliche, sozialverträgliche Ausrichtung in der portugiesischsprachigen Presse hervorgehoben wurde. Beispielhaft will ich hier die Notiz im „Jornal Porrada“ vom 18.11.12 anführen :

http://aporrada.com.br/v2012/?p=2443


(2) Guida Naturista Italiana 2013

In diesen Tagen gelangt eine rund 250-seitige Übersicht zu den naturistischen Angeboten Italiens zur Auslieferung.

Für rund 12,50 Euro werden – so die Ankündigung – geeignete Strände und weitere Möglichkeiten zum sozialverträglichen Nacktsein in Italien vorgestellt. Ich habe keinen Einblick in den Inhalt des Buches, mir wurde aber zugetragen, dass die Autoren die Nähe zur Föderation der Naturisten Italiens FENAIT suchten, so dass ich annehmen darf, dass deren Angebote Eingang in die Zusammenstellung fanden.


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Ich will hervorzuheben, dass die Veröffentlichung nicht nur an das touristische Publikum Europas, sondern auch intensiv an Interessenten aus Italien gerichtet ist. Erfolge in diese Richtung können zu weiteren Verbesserungen der Position des Naturismus in Italien beitragen.

Details unter:
http://www.guidanaturista.it/


(3) Nackte Mischungen in England

Mischungen - das trifft es, denn hier soll es mir nun um einen der aktuellen Versuche gehen, die „wilde“ FKK mit der Vereins-FKK zu verbinden.

Oder: zu „vermischen“.

Und zwar solange miteinander gut zu vermischen, bis keiner mehr weiß, wer in welche Gruppe gehört.


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(Brighton Naked Bike Ride)

Nick vom „Brighton Naked Bike Ride“ (WNBR) und Debbie vom FKK-Verein „The White House Club“ (in der BN) laden am 01.Dezember zu einem gemeinsamen Nacktschwimmen nach Caterham (Surrey, UK) in die Räumlichkeiten des Vereins ein. Neben der Gruppe „Brighton Secret Swimming“ werden zu dieser Gelegenheit auch Mitglieder der Gruppe „London Naturists“ erwartet.


http://www.whitehouseclub.org.uk/Spare%20pics/conserv.jpg

Das könnte eng werden.

Regelmäßige Streiflichter-Leser kennen die erst vor wenigen Monaten anlässlich eines Festivals auf der Insel entstandene „Secret Swimming“-Idee bereits. Auch die Gruppe „London Naturists“ ist hier bekannt – sie entstand aus den Diskussionen um die „London Frage“, die auch schon einmal in den Streiflichtern auftauchte.

Jedenfalls hat Debbie versprochen, das Wasser im Pool rechtzeitig auf 30 Grad – na ja, sagen wir: 28 Grad – aufzuheizen, Nick will Reklame für das nächstjährige WNBR in Brighton machen bzw. Spendengelder dafür sammeln und die „London Naturists“ werden ihren universitären, sonntäglichen Nacktschwimm-Nachmittag bewerben, der sich aber bereits jetzt regen Zuspruchs erfreut.

Wenn alles gut geht – worauf ich hier jetzt gesteigerten Wert lege - dann werden hinterher alle zufrieden sein.

Bevor es nun zur nächsten Notiz geht, möchte ich noch eine Ergänzung anfügen:

Wie immer gab es auch dieses Mal interessante Situationen, wenn vermeintlich unterschiedliche Nackt-Welten aufeinandertreffen. Debbie wurde – im Vorfeld - von Mitgliedern „ihres“ FKK-Vereins gefragt, woran sie denn die verschiedenen Gruppen erkennen können, damit sie wissen, wen sie freundlich begrüßen müssen.

Ich will euch Debbies Antwort darauf nicht vorenthalten:
„Seit doch einfach zu allen freundlich, dann werden die richtigen schon darunter sein“

Das hat doch was.
Debbie W. - den Namen muss ich mir merken.

Jetzt aber geht es erst einmal nach ...

... San Francisco.


(4) In den Straßen von San Francisco

Ende des letzten Jahres berichtete ich in den Streiflichtern Nr.99 bzw. Nr.100 von einer auf Vorschlag von Scott Wiener vom elfköpfigen Stadtrat San Franciscos einstimmig angenommenen Verordnung, die einfache Nacktheit – bis auf wenige Ausnahmen und bei Vorliegen einer leicht zu erfüllenden Bedingung - in den Straßen und auf den Plätzen der ganzen Stadt erlaubt. Dadurch wurde die zuvor „nur“ implizit vorhandene Erlaubnis zur expliziten Erlaubnis.

In Kurz: San Francisco wurde zur „offiziellen“ Clothing-Optional-Stadt.


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Anfang September erreichten mich weniger erfreuliche Nachrichten, nach denen eben jener Scott Wiener - aufgrund von Beschwerden aus dem von ihm vertretenen Stadtteil - mit den politischen Vorbereitungen zu einer breit angelegten „Anti-Nudity-Verordnung“ begann.

Der - zusammen mit dem Rechtsvertreter der Stadt, Matt Dorsey, erarbeitete, mir schon früh vorliegende Entwurf sollte einfache, Nacktheit in der Öffentlichkeit unter einer – hierzulande würde man schreiben – Ordnungsbusse von umgerechnet bis zu ca. 80 Euro stellen, die im Wiederholungsfall aber auch empfindlich höher ausfallen kann. Zu dieser Regel sollten nur wenige, örtlich und zeitlich beschränkte Ausnahmen zulassen werden (z.B. Strände, Bare to Breakers – Lauf etc )

In den folgenden Wochen kam es zu vielen Aufrufen und nackten Demonstrationen, an denen sich bis zu zwei Dutzend Nackter beteiligten. Es konzentrierte sich auf den Castro, einem kleinen Bereich, der – nach Scotts Worten – so etwas wie einen „zentralen Platz“ im von ihm vertretenen District (Stadtteil) darstellt.


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(friedliche Demogruppe )

Ich will die überaus lange, verwickelte und gelegentlich auch etwas unappetitliche Diskussion, die daraus folgte, hier jetzt nicht wiedergeben, denn das würde locker 10-12 Streiflichter füllen.

TV und Presse berichten jedenfalls ausführlich darüber.

Worüber die amerikanischen Medien jedoch nicht berichteten, das war ein Blogeintrag, der mir Anfang Oktober auffiel und in dem die Juristin Christina A. DeEduoardo dezidiert gegen Scotts Vorstoß Stellung nahm.


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(Bild Beck Diefenbach)

Anlässlich einer Demo vor der „White Hall“ (dem Rathaus der Stadt San Francisco) wurde von besagter Christina (rechts im Bild) eine inzwischen allerdings teilweise bereits überholte Stellungsnahme übergeben, um noch während des „Gesetzgebungsverfahrens“ eine gerichtliche Klärung einzuleiten. Ein solches Verfahren ist grob mit einem „Antrag auf eine einstweilige Verfügung“ vergleichbar und kann Gesetze und Verordnungen – bis zur endgültigen (eventuell höchstrichterlichen) Klärung - „anhalten“. Die Anforderungen an ein solches Verfahren sind allerdings sehr hoch.

Ich will über die juristischen Begründungen – wie auch über die vielschichtige und weitgefächerte Vorgeschichte zu Scott Wieners Antrag – hier jetzt nichts schreiben.

Statt dessen eine kleine, aber doch sicherlich hinreichend auflösende Notiz zur bisher wichtigsten „Stadtrats“-Sitzung in dieser Sache, zu der auch die „American Association of Nude Recreation (AANR)“, die so etwas ähnliches wie ein DFK für die USA ist, ihre Mitglieder aus dem Bereich San Francisco / Bay Area eingeladen hat.


(5) Öffentliche Sitzung des Stadtrats von San Francisco

Am Di, den 20.11.12 wurde die vorstehend erwähnte „Anti-Nudity-Verordnung“ von den 11 Stadträten, die jeweils einen der 11 Districs San Franciscos repräsentieren, behandelt.

Aber der Reihe nach.

Als gegen 14:00 Uhr die öffentliche Sitzung beginnt, alle Stadträte und auch der Bürgermeister Lee Platz genommen haben, bekomme ich erst einmal einen Schrecken, denn in der Tat sollen in den ersten 90 Minuten insgesamt 33 Tagesordnungspunkte abgehandelt werden, so dass jeweils kaum 3 Minuten zur Verfügung stehen. Aber nachdem der Bürgermeister Ed Lee Erklärungen zu hier jetzt nicht interessierenden Sachen vorgelesen hat, geht es – mit Ausnahme einer kurzen Diskussion zu Fragen der Schulpolitik, die uns hier jetzt ebenfalls nicht interessieren – zügig voran. Der Verlauf wird bestimmt von schnellen Abstimmungen, deren Ergebnisse so schnell aufeinander folgen, dass nur der trainierte Schriftführer es schaffen kann, alles zu dokumentieren. Jedenfalls erreicht der Stadtrat nach einer guten Stunde den zweitletzten Tagungsordnungspunkt 32, unter dem es um die von Scott Wiener eingebrachte Anti-Nudity-Verordnung gehen soll.

Jetzt geht es also los.

David Chiu, einer der Stadträte, der zugleich auch so etwas ähnliches wie ein „Sitzungspräsident“ ist, erteilt Scott Wiener das Wort, der zunächst die Zuhörer begrüßt, was diese mit Gebrumme beantworten. Im Weiteren versucht er die vorgeschlagene Verordnung zu begründen und beschreibt sie als mild und angemessen. Er habe nichts gegen gelegentliche Nacktheit auf den Straßen San Franciscos und anderen unüblichen Orten mit denen die Stadt ja auch schon viele Jahre lebe. Aber Nacktheit im Wohnumfeld und in Geschäftsstraßen - insbesondere im Bereich des Castos - sei unangemessen. 7 Tage in der Woche – zu fast jeder Stunde seinen dort Nackte anzutreffen. Er werde zunehmend überschüttet von Anrufen und e-mails in denen sich Einwohner über die Nackten beschwerten. Bisher habe er es abgelehnt, gegen die Nackten vorzugehen, aber was sich da auf dem Platz Castro abspiele, das liege nicht mehr im Rahmen. Lange dachte er, dass sich das schon irgendwie einspielen würde, aber das tat es nicht. Inzwischen stimme er den Beschwerdeführern zu. Es stimme auch nicht, dass dies die Geschäftsleute oder Gay-Hasser seinen, sondern es seinen gerade die einfachen Leute, viele von ihnen langjährige Bewohner des Viertes, die er mit seinem Verordnungsvorschlag vertrete.

Soweit Scott Wiener, der – nicht verwunderlich – seine 10 Kollegen dazu aufruft, den Vorschlag zuzustimmen.

Der vorsitzende Stadtrat David Chiu fragt kurz, ob dies von einem weiteren Stadtrat unterstützt wird. Stadtrat Mark Farrell unterstützt Scott Wiener.


Chiu eröffnet daraufhin die Diskussion und erteilt Stadtrat David Campos das Wort.


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(David Campos)

Stadtrat Campos hält eine Stadt-weit wirkende Verordnung für Probleme, die allenfalls im Nachbarschafts-Bereich des Castro existieren könnten, für übertrieben. Es ist nicht so, dass er die von Wiener geschilderten Probleme leicht nehmen würde oder kleinreden wolle, aber entscheidend sei doch wie man auf die Beschwerden reagiere.

Außerdem gehe es auch um Prioritäten. Er vertrete den Stadtbezirk 9, der an Wieners Stadtbezirk 8 angrenzt. Was wäre, wenn – angenommen die Verordnung würde gültig werden – z.B. Kräfte der gemeinsam unterhaltenen Polizeistation eingesetzt werden müssten, die dann für wesentlich wichtigere Dinge nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Immer wenn ich nach mehr „Streifenpolizisten“, nach schnelleren Reaktionszeiten der Ordnungskräfte oder nach alternativen Methoden der Konfliktbewältigung frage, bekäme er die Antwort: 'Wir haben keine Ressourcen.' Sollen die zur Verfügung stehenden, knappen Ressourcen nicht lieber dafür genutzt werden, die wirkliche Kriminalität zu bekämpfen?

Und dann – so Stadtrat David Campos weiter – möchte er von Scott Wiener hören, welche Anstrengungen von ihm bisher unternommen worden seien, die Streitigkeiten im Castro zu bereinigen. Man habe schließlich schon vielfach erfolgreich Mediation angewandt. Dabei habe auch die Kommission für Menschenrechte geholfen. Befürworter und Gegner sollten zu Gesprächen am „runden Tisch“ eingeladen werden, bevor eine Stadt-weite Verordnung erlassen wird.

David stellt die Frage, wie denn damit umzugehen sei, dass – der vorgeschlagenen Verordnung nach – einfache Nacktheit in der Öffentlichkeit anlässlich spezieller Ereignisse (Paraden usw.) erlaubt, an anderen Tagen in der Nachbarschaft aber unter Buße gestellt werden soll und mahnt abschließend noch einmal den respektvollen Dialog an.


Chiu erteilt Christina Olague das Wort.


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(Christina Olague)

Sie unterstützt David Campos und ergänzt, dass die Verordnung in die Rechte der Bürger eingreift. Sie fragt:

Was kommt als Nächstes ?

Was ist mit Piercing ?

Was ist mit Tattoos ?

Und was ist mit denen, die sich ihr Haar gelb färben ?

Im weiteren Verlauf erinnert sie an die junge Geschichte San Franciscos. Die Idee des freien Ausdrucks und der zivilen Freiheiten kann – so Christina – nicht hoch genug bewertet werden.

Dann kommt es.

Noch während sie das Papier beiseite legt und damit die Endgültigkeit ihrer Entscheidung unterstreicht, höre ich von ihr: „That's all. So I can't support it.“ Sie wird also mit NEIN stimmen.


Chiu erteilt Supervisor John Avalos das Wort.


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(John Avalos)

Avalos äußert Verständnis für Wiener, gibt dann aber zu Bedenken, dass die vorgeschlagene Verordnung in vielerlei Hinsicht negative Auswirkungen haben kann: „Ich sorge mich über die Bürgerrechte. Ich sorge mich über das Recht der freien Meinungsäußerung. Ich sorge mich um den [Lebens-]stil San Franciscos.“ . Avalos lässt einen Filmausschnitt einspielen (Orson Wells als General, verleiht einem Soldaten, der beschlossen hatte, nackt zu erscheinen, mit dem Gesichtsausdrucks des Respekts und mit den Worten: „Hier ist ihr Orden, sie sind eine ziemlich „eigene“ Person“ eine Auszeichnung.) Das Publikum im Sitzungssaal klatscht, woraufhin Chiu daran erinnert, das sowohl zustimmende als auch ablehnende Bekundungen in der Kammer nicht üblich sind.

John Avalos schließt ab mit:
„Ich kann und will nicht in diesen Apfel beißen. Ich weigere mich. Ich kann es einfach nicht.“ Er kündigt erwartungsgemäß an, dass er gleich mit „nein“ stimmen wird.


David Chiu erteilt Supervisor Eric Mar das Wort.


http://www.sfbos.org/Modules/ShowImage.aspx?imageid=3766
(Eric Mar)

Eric teilt die Argumente von Olague, Campos und Avalos und kündigt an, ebenfalls mit „nein“ stimmen zu wollen.


David Chiu fragt in die Runde, ob weiterer Diskussionsbedarf bestehen würde ?

Scott Wiener wiederholt noch einmal seinen Beitrag vom Beginn der Diskussion und versucht die Äußerungen der Vorrednerin bzw. der Vorredner trickreich zu entkräften oder – wo das nicht möglich ist – sie zu umgehen.

Dann ergreift David Chiu das Wort.

Er teile viele Bedenken gegen die Verordnung, halte sie aber schlussendlich für ein angemessenes Mittel und beabsichtige daher, für „ja“ zu stimmen.

Nachdem Christina Olague noch einmal kurz auf Wieners letzten Beitrag eingegangen ist, übergibt Chiu an die – hierzulande würde man schreiben - „Schriftführerin“ Clerk Calvillo, die zur Abstimmung aufruft.

Supervisor Jane Kim hat sich nicht zu Wort gemeldet, da aber auch sie schon im Vorfeld ein NEIN angekündigt hat, will ich – wie bei den anderen auch – ein Bild von ihr einschieben:


http://www.sfbos.org/Modules/ShowImage.aspx?imageid=5332
(Jane Kim)

Jetzt geht es schnell und ich muss aufpassen, dass ich auch alles mitbekomme.

Alle zählen mit.

Supervisor John Avalos: „NO“.

Supervisor David Campos: „NO“.

Präsident (und Supervisor) David Chiu: „yes“.

Supervisor Carmen Chu: „yes“.

Supervisor Malia Cohen: „yes“.

Supervisor Sean Elsbernd: „yes“.

Supervisor Mark Farrell: „yes“.

Supervisor Jane Kim: „NO“.

Supervisor Eric Mar: „NO“.

Supervisor Christina Olague: „NO“.

Supervisor Scott Wiener: „yes“.

Das sind 6 „ja“ und 5 „NEIN“-Stimmen.

David Chiu erklärt daraufhin geschwind, dass „this ordinance is passed on the first reading“, denn jetzt kommt Unruhe im Publikum auf und er unterbricht kurzzeitig die Sitzung. Aktivisten und Aktivistinnen aus dem Publikum – unter ihnen auch Gypsy Taub – entkleiden sich und rufen teilweise Parolen in den Sitzungssaal.


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Sie werden vom Personal aufgefordert (Stichwort: Hausrecht) sich wieder zu bekleiden oder den Saal bzw. das Gebäude zu verlassen, was dann auch geschieht.

Wie geht es jetzt weiter ?

In einer Woche wird es noch einmal eine Abstimmung geben. Typischerweise ohne große Diskussionen. Ich erwarte ein ähnliches Ergebnis wie am 20.11.12.

Dann wird Bürgermeister Ed Lee – wie von ihm („Die Exhibitionisten haben eine Grenze überschritten“) bereits mehrfach angekündigt - vermutlich sehr schnell die Verordnung unterzeichnen, die aber – nach einer Vereinbarung zwischen Christina A. DeEduoardo und der Stadt – frühestens Anfang Februar zur Anwendung kommen soll, um zuvor eine Verhandlung beim „UNITED STATES DISTRICT COURT FOR THE NORTHERN DISTRICT OF CALIF“ zu ermöglichen. So steht es in einer mir als Abschrift vorliegenden „Order“ von Richter Edward M. Chen vom letzten Montag.

Wir sehen: Termine. Termine.

Im nächsten Streiflicht gibt es vermutlich wieder deutlich „leichtere Kost“.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

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