Streiflichter Nr..174 vom 6.12.2012

(1) „Miss Natura“ in Prag

Eine feste Größe im Naturistenleben der Tschechen sind die Naturisten-Nächte im Prager Aquapalace, wo sich die Nackten mehrmals im Jahr eine schöne Zeit machen.

Jeder dieser Naturisten-Nächte steht unter einem Motto. Vor wenigen Wochen lautete die Überschrift : „Miss Natura 2012“. Mit 1084 (!) Teilnehmenden war es eine der größten Naturisten-Veranstaltungen der letzten Zeit.

Es galt, die „Miss Natura“ – sozusagen die „Weinkönigin“ der Naturisten – des Jahres 2012 zu wählen.

Sozusagen: Eine Repräsentantin der Idee.

Selbstredend stand dabei nicht gutes Aussehen (denn dann hätte man gleich allen 9 Kandidatinnen den Titel zuschreiben müssen) sondern vielmehr Ausstrahlung, Persönlichkeit und Sportlichkeit im Vordergrund.

Aqua-Aerobic, Tanz und Gesprächsführung standen auf dem Programm.

Ich will es kurz machen:

Aneta aus Frydland (Liberec) – im Jahr 2011 noch 2. Siegerin – errang nach einem spannenden Wettbewerb den diesjährigen Titel „Miss Natura“. Ihre slowakische Kollegin Ivana belegte den zweiten Platz.


http://www.naturista.cz/promo-thumbnails/aneta-ivo.jpg

Eine etwas ausführlicher Beschreibung des Wettbewerbs ist beim offiziellen Verband der tschechischen Naturisten „Czech Federation SK Oplatil“ abrufbar :

http://naturista.cz/drupal/titul_miss_natura_2012_putuje_do_jindrichovic_pod_smrkem

Eine deutschsprachige Notiz hierzu findet sich unter :

http://naturista.cz/drupal/deutsch

Und was kommt nun ?

Etwas ganz, ganz Wichtiges.
Die Termine der nächsten Naturisten-Nächte im Aquapalace Prag:

Sa. 12.01.2013 : „FKK Karneval“
Sa. 16.03.2013 : „Frühlingsanfang“
Sa. 11.05.2013 : „Naturistische Nacht im Mai“
Sa. 14.09.2013 : „Nach den Ferien“
Sa. 16.11.2013 : „Miss Natura 2013“


Wenn sich die Veranstaltungen mit einem Wochenend-Besuch der Stadt Prag verbinden lassen, dann lohnt sich auch eine größere Anreise.


(2) Nackt-Marathon in Argentinien

Lange ist es her.
Vor vielen Jahren berichtet ich vom „1. Nackt-Marathon“ in Argentinien.

Etwas genauer :
Am Sonntag, den 4. Dezember 2005, startete in Yatan Rumi, was in der Sprache der Ureinwohner so viel wie „nackter Stein“ bedeutet, ein Nackt-Marathon, der schnell über die Grenzen Argentiniens hinaus in ganz Südamerika bekannt wurde.

Auch der breiten Unterstützung der örtlichen Bevölkerung ist es zu verdanken, dass daraus inzwischen eine mehrjährige Veranstaltungsreihe entstanden ist, so dass ich heute vom 8. Nackt-Marathon im „Punilla Valley“ nahe der Stadt Tanti berichten kann.

Miguel Suarez, der Organisator des Wettbewerbes, hatte zuvor über die Print-Presse zu der Veranstaltung am 02.12.2012 eingeladen. (z.B. in der „La Mañana de Córdoba“ vom 26.11.12)

Den Regeln der INF folgend maßen sich 42 nackte Läufer und -innen in verschiedenen Altersklassen.


http://www.ellitoral.com/um/fotos/65095_nudista_i.jpg

Pablo Ruis aus Córdoba konnte sich in der Gesamtwertung den 1.Platz erlaufen. In der Senior-Gruppe gewann der ebenfalls aus Córdoba stammende Javier Lezama. Pedro Altamirano und Horacio Fernandez sind in weiteren Klassen Sieger.

Schnellste Frau war Fabiana, die sich damit gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzten konnte.


(3) Weltrekordversuch – Und ? Wie war es ??

Vor etlichen Tagen berichtet ich von den Planungen zu einem neuseeländischen Weltrekordversuch im Nacktbaden, Am ersten Wochenende diesen Monats war es so weit.

Nun ist es an der Zeit nachzufragen.

Ca. 400 Personen hatten sich beim Veranstalter angemeldet. Es bestand also durchaus eine Chance, den derzeitigen, erst vor etwa einem halben Jahr aufgestellten Weltrekord im Nacktbaden ( 413 Nackte ) zu brechen.

Zumindest bei gutem Wetter.

Das – bei zu niedrigen Temperaturen – am ersten Sonntag des Dezembers dann aber „nur“ 299 Nackte zum Papamoa-Strand kamen und dann auch daran teilnahmen, will ich trotzdem als Erfolg werten.

Die Veranstalter hatten übriges am vorhergehenden Samstag eine weitere Nacktschwimmaktion in Sumner, Christchurch organisiert, an der immerhin 226 Nackte teilnahmen. „Zu insgesamt 525 Nackte zusammenzählen“ - wie Emily Hancox vorschlug – dürfen wir das allerdings nicht.


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http://media2.apnonline.com.au/img/media/images/2012/12/03/500-nudists_fct500x377x6_t460.jpg

Wenn sich die „gefühlt“ 100 Schaulustigen, die sich am Sonntag am Papamoa-Strand einfanden, ebenfalls ihrer Kleidung entledigt hätten – so die Veranstalter – dann wären sie dem neuen Weltrekord schon ziemlich nahe gekommen.

Zum Trost:
Im nächsten Jahr gibt es einen neuen Versuch.

Einer der Teilnehmer am Papamoa-Strand war Andrew Lyall Pointon, der gerade zwei Tage zuvor bei hohem Gericht einen Erfolg verbuchen konnte, womit wir schon wieder beim nächsten Punkt wären :


(4) Gericht bestätigt: Nacktjoggen ist OK

Das Urteil, um das es mir hier jetzt geht, hat eine Vorgeschichte :
Andrew Lyall Pointon joggte im August des vergangenen Jahres nackt in einem Wald nahe Tauranga :


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Eine Frau, die ihren Hund ausführte, erschrak des ungewohnten Anblicks wegen und meldete die Begegnung den Behörden. Drei Tage später wurde Andrew Pointon - während er abermals nackt joggte – „gestellt“ und ihm wurde „offensiv behaviour“ vorgeworfen. Einige Monate später erging gegen ihn ein Beschluss des „Tauranga District Court“, in dem er schuldig gesprochen wurde. Eine von ihm und seinem Rechtsvertreter Michael Bott angestrengte Revisionsverhandlung in nächsthöherer Instanz bestätigte im Wesentlichen das vorinstanzliche Urteil, woraufhin die Sache an das „High Court“ in Tauranga ging. Am 30.11.2012 erklärte der zuständige Richter Paul Heath die Verurteilung Andrew Pointons für unzulässig und – wie man hierzulande schreibt – „kassiert“ die Urteile der Vorinstanzen wieder ein.

Ich will mich – schließlich geht dieses Streiflicht mit großen Schritten seinem Ende entgegen – nicht näher mit der ausführlichen Begründung des Richters auseinandersetzten. Statt dessen muss ich mich jetzt ein wenig sputen.

Außerdem werden wir vermutlich bereits im kommenden März wieder etwas von Andrew hören, denn wie mir versichert wird, will er dort einen der WNBRs organisieren.

Obwohl - einen habe ich noch :

Jener Michael Bott, der für Andrew das Urteil erfocht, kam hier schon einmal vor.

Denn er war es, der Nacktradler Nicholas Lowe, genannt Nick, Mitglied im „Hawke’s Bay Naturist Club“ (im offiziellen Verband der neuseeländischen Naturisten NZNF) und dessen langjähriger Vorsitzender bei Gericht vertrat und letztlich einen Freispruch erwirkte. Sogar der Spiegel berichtet darüber.

Zur Erinnerung:


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(Nacktradler Nicholas Lowe)

Nun ist es aber gut mit Neuseeland.

Eben bin ich dieses Streiflicht mit einem Preis (“Miss Natura“) angefangen.
Da passt es gut, dass ich jetzt mit einer ebensolchen beende.


(5) Auszeichnung für „Naked Rambler“

Im Madrid werden seit einigen Jahren Personen, die sich um den Erhalt der Rechte – insbesondere der Bürgerrechte - verdient gemacht oder die zur Verteidigung dieser Rechte größere Opfer gebracht haben, von einer Jury mit dem jährlich ausgeschrieben „Premio Nicolás Salmerón de Derechos Humanos“ (etwa: „Nicolás Salmerón Preis für Menschenrechte“) geehrt.

Nicolás Salmerón Alonso, nach dem der Preis benannt ist, war ein Politiker und Philosoph der im Jahre 1873 für nur wenige Monate Vorsitzender einer Kommission der „Ersten Spanischen Republik“ war und der in der Geschichte Spaniens durch seinen Rücktritt aus Gewissensgründen vor der von ihm verlangten Unterzeichnung eines Todesurteils bekannt geworden ist.

Heutzutage geht der Preis an Personen, denen Unbill allein daraus widerfahren ist, dass sie Mitglieder von Minderheiten sind. (Beispiel: politische Gefangene, verfolgte Homosexuelle usw.)
Weitere Infos über die Intentionen des Preises unter:
http://www.premiosalmeron.com/

Am 10. Dezember – also am kommenden Montag – ist es wieder soweit :


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An diesem Tag soll im Rahmen einer Feierstunde Stephen Gough (in England bekannt unter dem Namen „Naked Rambler“) geehrt werden.


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Zur Erinnerung:
Stephen Gough hatte im vergangenen Jahrzehnt mehrfach die englische Insel von Süd nach Nord nackt durchwandert und ist dann mit der Justiz in Schottland aneinandergeraten. Inzwischen ist er nicht mehr in Schottland, sondern mit kurzen, aber immer mehrstündigen Unterbrechungen auf dem Wege zu seinen Kindern / seiner betagten Mutter.

Ich will mich hier jetzt nicht in die Details verlieren, sondern ein Bild auf den Festsaal werfen, in dem am kommenden Montag die Preisverleihung stattfinden soll :


http://www.premiosalmeron.com/ceremonia.jpg

Der Vorschlag Stephen Gough in diesem Jahr in der Kategorie „International“ auszuzeichnen stammt übrigens von Ismael Rodrigo, dem Präsidenten der offiziellen Naturistenföderation Spaniens ( Federación Española de Naturismo, FEN ), der – so die Planung – eventuell in Vertretung für Stephen Gough den Preis entgegennehmen wird. Ismael lädt die Naturisten/Nudisten Madrids zur Preisverleihung ein. Es genügt ein Handtuch als Sitzunterlage mitzubringen.

Jetzt könnte ich hier Schluss machen.

Mache ich.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

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