Streiflichter Nr..182 vom 20.01.2013

(1) Wiedergeburt in Australien

Vielleicht ist es noch etwas zu früh, um von einer Wiedergeburt zu sprechen – aber im Grunde stimmt es.

Eine Wiedergeburt auf dem "Maslin Beach" Australiens:


http://www.pilwarren.com/images/maslin_beach.jpg

Bis vor 5 Jahren trafen sich die Freunde sozialverträglichen Nacktseins auf dem Maslin Beach im Süden Australiens im Januar um gemeinsam ein Fest des Spiels und Sports zu feiern:

„Nude Olympics“.

Diese Tradition sollte nun – nach der viel zu langer Pause – wieder aufgenommen werden.

So beschlossen es Debbie und David Pillar vom „Pilwarren“, der sein FKK-Gelände unweit vom Maslim Beach hat, und veröffentlichten am 04.12.2012 im „Advertiser“, einem Lokalblatt in Adelaide, ihre diesbezüglichen Pläne für den 20.Januar 2013 :


http://www.pilwarren.com/images/advertiser_maslin_beach.jpg

Erfreulich ist auch, dass einsetzende Missverständnisse mit den örtlichen Behörden im Vorfeld wenigstens teilweise ausgeräumt werden konnten. Es bleibt aber noch einiges zu tun.

Hier zeigt es sich:
Je mehr eine Tradition und ein einmal als selbstverständlich anerkanntes Recht wegen Nichtinanspruchnahme in Vergessenheit gerät, desto schwieriger ist es, sich auf dieses Recht zu berufen.

Dann aber kam der 20.01.2013

Mit ihm kam sonniges Wetter und eine – von anwesenden Redakteuren – auf 300 geschätzte Menschenmenge.

Das Thermometer zeigte um die 25 Grad, als es dann in der Mittagszeit endlich „los ging“:

Gestaltet als Familienfest trafen sich die aktiven Freude des Maslin Beaches mit den Mitgliedern des „pilwarren.com“ und Abordnungen aus den „benachbarten“, im offiziellen Verband der Naturisten Australiens, der „Australien Naturist Federation (ANF)“ organisierten „Sunland Holiday Village“ und „Southern United Naturists“, um sich in einer Reihe von Disziplinen zu messen.

Damit keine Missverständnisse entstehen :

Das „messen“ ist hier nicht im Sinne von „Leistungssport“, vermutlich nicht einmal im Sinne von „Breitensport“, der ja – wie der Leistungssport auch – ein umfangreiches Regelwerk kennt, sondern viel eher im Sinne von „Spaßsport“ zu verstehen.

Das wird verdeutlicht durch folgendes, aktuelle Teilnehmerfoto


http://resources0.news.com.au/images/2013/01/20/1226557/776964-nude-olypmics.jpg
(Bild: Mark Brake)

und den Hinweis, dass es in einem der Wettbewerbe, darum ging, einen (oder gar mehrere) „Donut(s)“ möglichst schnell zu verzehren.

Im Nebengang ist die heutige Aktion für die Organisatoren auch ein weiterer Erfolg in dem Bemühen, einer breiteren Öffentlichkeit klar zu machen, dass „wir nicht die bösen Leute sind, als die wir manchmal dargestellt werden“

Für die Zukunft würde ich mir in dieser Sache mehr Engagement der ANF wünschen - eines in der INF organisierten Verbandes, der sich vor gar nicht all zu langer Zeit umbenannt hat, um dem negativem, sexualisierten Image zu entfliehen. Dabei können solche Aktionen wie die „Nude Olympics“ ( und vergleichbare, familienfreundliche Unternehmungen ) für den ANF hilfreich sein.


(2) Reif für die Insel

Zu den Traditionen der - auch in der INF organisierten - „Danske Naturister (DN)“, gehört es nun schon seit einigen Jahren, für den Sommer einen mehrtägigen Ausflug auf eine der dänischen Inseln zu organisierten.

In diesem Jahr ist es bereits die 4. Inseltour zu der die DN (bzw. die DN-Nord) ihre Mitglieder und Noch-Nicht-Mitglieder aus Dänemark einlädt. Derzeit wird am Programm für die Zeit vom 17.05. bis zum 20.05 noch gearbeitet. Vieles ist noch vorläufig, aber offensichtlich soll es dieses Mal auf die Insel Læsø gehen, wo es – unweit des Fähranlegers – geeignete Unterbringungsmöglichkeiten gibt.


http://www.laesoe.dk/gfx/brugerupload/fotoalbum/medium/200793135422.JPG

Neben einem Ausflug zum Leuchtturm der Insel wird es vermutlich am Sonntag auch die Möglichkeit geben, an einer organisierten Wanderung teilzunehmen. Ob es eine Nacktwanderung sein wird ? Ich schreibe lieber nichts, denn im letzten Jahr habe ich die Insel-Wanderung als Nacktwanderung angekündigt, was vielleicht ein schlechtes Omen war, denn das Wetter war dann dermaßen „sau-kalt-nass-und-stürmisch“, dass selbst ich – wenn ich denn dabei gewesen wäre - mir reichlich „Schutzkleidung“ übergezogen hätte.

Etwas viel mir in den Ankündigungen zur diesjährigen Inseltour aber auf :

Sie überlegen sich derzeit, ob es hilfreich wäre, einen Bus – sie nenne es „Nøgen Expressen“ (Nackt-Express) - zu organisieren, der z.B. von Kopenhagen durch Dänemark nach Frederikshavn fährt, von wo es dann mit der Fähre zur Insel geht. Geschickt platzierte „Zwischenhalte“ des „Nøgen Expressen“ würden den in Dänemark weit verstreut lebenden Mitgliedern der DN Möglichkeiten zum Zustieg bieten. Eine gute Idee.


(3) Gerichtstermin in San Francisco

Wie verschiedentlich berichtet, ist die vom Stadtrat San Franciscos mit der knappen Mehrheit von nur 6:5 Stimmen in zweiter Lesung angenommene Verordnung, die den nackten Aufenthalt in der Öffentlichkeit unter Buße stellt, mit der nach nur zwei Tagen erfolgten Unterschrift durch den Bürgermeister Lee Anfang Dezember gültig geworden. Aufgrund einer vom US-Bezirksrichter Edward Chen bestätigten Vereinbarung zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Verordnung, wird diese aber nicht vor dem 01.Feb. 2013 zur Anwendung kommen, so dass der Richter Chen in – hierzulande würde man schreiben – „summarischer Prüfung“ darüber entscheiden kann, ob den Klägern zuzumuten ist, auf das von ihnen beanspruchte Recht in San Francisco nackt zu sein, bis zur endgültigen (höhergerichtlichen) Klärung zu verzichten.

Dazu stand nun in den frühen Nachmittagsstunden des 17.01.2013 ein gerichtlicher Termin an, zu dem die Kläger und ihre juristische Vertretung Christina DiEdoardo sowie die Vertreterin der beklagten Stadt San Francisco vor dem Bundesgericht erschienen.


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In der anschließenden, weit über 1-stündigen Anhörung wurden die hinreichend bekannten Argumente, die sich auch schon in den zuvor ausgetauschten Schriftsätzen der Parteien finden, vorgetragen. Von Interesse war hier also allenfalls, aus den vom Richter in das Verfahren eingebrachten Fragen, Bemerkungen und „Belehrungen“ Rückschlüsse auf das vermutliche Ergebnis seiner summarischen Prüfung zu schließen.

Einlassungen der Vertreterin der beklagten Stadt, nach der man die Rechte der (bekleideten) Mehrheit schützen müsse, begegnete der Richter mit einer Gegenfrage, die eher Ablehnung gegenüber dem Ansinnen der Stadt widerspiegelt.

Anderseits:
Auf die von den Klägern beanspruchte Anwendung des „1st Amendment freedom of speech“ (was grob und ungefähr als eine Art „Demo-Recht“ zu verstehen ist) auf „einfaches Nacktsein“ wandte der Richter ein, dass dem „einfachen Nacktsein“ die „Botschaft an die Gesellschaft“, die charakteristisch für eine Demonstration ist, fehlt und daher für das „einfache Nacktsein“, „einfaches Sonnenbaden“ usw. in der Öffentlichkeit das „Demo-Recht“ nicht angewendet werden könne. Tatsächlich gibt es ein höchstrichterliches Urteil in den USA, auf das er sich berufen kann. (Hinweis: Das ist, wenn die Nackten ein Schild bei sich tragen, mit dem sie z.B. mehr Freiheitsrechte o.ä. fordern, schon etwas anderes !)

Dann versuchte die Vertreterin der Stadt, die Verordnung „kleinzureden“, als sie betonte, dass es sich hier gar nicht einmal um ein wirkliches Verbot des Nacktseins in der Öffentlichkeit handle, weil es ja auch Bestimmungen enthalte, die Nacktheit (z.B. zu bestimmten Zeiten) ohne Ahndung ermöglichen, mithin sei die Verordnung also kein Verbot des Nacktseins sondern nur eine Vorschrift, wie diese zu erfolgen habe - sozusagen eine „Durchführungsverordnung“, aus Sicht der Stadt durchaus vergleichbar mit Regelungen zur Frage Raucherzone/Nichtraucherzone.

Wie war nun das Ergebnis ?

Gute Frage. Der Richter hätte noch am gleichen Tag sein Ergebnis verkünden können – hat er aber nicht, was entweder heißt, dass er es selbst noch nicht so genau weiß, oder dass er – bei Ablehnung der Klage – Tumulte vor dem Gerichtsgebäude vermeiden wollte, oder ... ...

Da er aber eine Entscheidung noch vor dem 01.Feb.13 ankündigte und – zumindest nach dem Stand meines jetzigen Wissens – keine weitere Verhandlung von ihm anberaumt worden ist, ist eine Ablehnung der Klage am wahrscheinlichsten und damit die Anwendung der bereits rechtsgültigen Anti-Nudity-Verordnung ab 01.Februar möglich.

Supervisor Wiener, einer der Stadträte von San Francisco hat sich – aus Sicht der beklagten Stadt - „vorsichtig optimistisch“ über den Ausgang geäußert.

Für den Fall, dass der Richter die Klage der nackten Partei gegen die Stadt tatsächlich abweist, haben die Kläger durch ihre Rechtsvertreterin Christina DiEdoardo schon jetzt den – dann regulären - Gang in den Gerichtszug angekündigt.


(4) Krka

„Krka“ ist ein über 100 Km langer Fluss in der Slowakei, der in die Save mündet.

Zu Beginn des Jahres lud Joze Bradac, vom (auch durch das Nacktwandern) hier bekannten FKK-Verein „Mali Raj Dolenje Polje“, zum winterlichen Nacktbaden in eben diesem Fluss ein. Aus dem vorhergehenden Jahr – als dies zum ersten Male veranstaltet wurde – lagen bereits Erfahrungen vor.

Joze denkt daran, daraus eine Tradition zu machen.
Jeden ersten Samstag im Jahr.
Kann man sich gut merken.

Und, da der Verein im offiziellen Verband der Naturisten Sloweniens, dem „Zveza drustev naturistov Slovenije (ZDNS)“, organisiert ist, bot es sich an, die Einladung zum „Januar-Baden“ in der Krka auch an die benachbarten Vereine des Verbandes zu richten.

In diesem Jahr war es gar nicht so kalt.
Immerhin lag die Lufttemperatur irgendwo bei 12 Grad.

Und mit 8 Grad war das Wasser der Krka auch schon fast „lauwarm“.

Trotzdem sieht mir das auf dem Bild dann doch etwas kühl aus :


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Übrigens :
Die junge Frau, die da von links „ins Wasser steigt“, ist Maja Penko, die Präsidentin des ZDNS. Sie hat sich gerade erst vor wenigen Wochen positiv zur Jugendarbeit geäußerte. Es ist wohl beabsichtigt, eine „Jugendabteilung“, wie sie auch schon in den anderen Verbänden besteht, zu gründen. Mit breitem Themenbereich. U.a. soll das auch ein wenig in die Richtung Sauna, Spa gehen. Sicherlich eine interessante Möglichkeit. Noch ist das alles etwas undefiniert und auf kleiner Stufe, aber : Aufpassen. Wenn ich schreibe „aufpassen“, dann heißt das wirklich aufpassen.

Zurück zum Nacktbaden in der slowenischen Krka :


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Nanu ??
Wo kommt der denn jetzt her ???

Der gehört doch nicht zu uns.
Oder etwa doch ?

Ich habe keine Ahnung, aber wahrscheinlich war das nur der Test einer neuen „Schutzkleidung“.

Jedenfalls hat es dann gegen Abend noch ein Treffen im warmen Pool gegeben.


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Natürlich ohne Schutzkleidung.


(5) Ellen „fällt ein Stein vom Herzen“

Es ist eigentlich schon eine ganze Weile her, als Ellen B. und ihr Mann zum ersten Mal „nackt gegangen“ sind. Sie bewohnen eine ziemlich hoch gelegene, im Prinzip nicht einsehbare Balkon-Wohnung, aber das Gefühl unbekleidet in freier Landschaft – wie die Niederländer sagen - „herumzuwandeln“ und dabei „Freiheit und die Verbundenheit mit der Natur“ zu erleben, ist für beide unverzichtbar.

Überaus verständlich.

Mit ins Bild passt, dass beide auch Anhänger des „wilden“ Campen sind.

Soweit - so gut.
Eigentlich kann Ellen so wie es ist, zufrieden sein.

Aber, etwas störte dann doch: Die liebe Verwandtschaft.
Oder (deutlich besser) Ellens Einschätzung ihrer Verwandtschaft.

Sie nahm nämlich – fälschlicherweise – an, dass ihre Vorliebe bei diesen wohl auf Ablehnung stoßen würde, und verschwieg daher so manches Urlaubserlebnis.

Bis ...
... ja, bis dann aber die Urlaubsfotos durcheinandergerieten und die Verwandtschaft Nacktwanderbilder von einem Ausflug auf dem „Harzer Naturistenstieg“ zu Gesicht bekam.

Und ?
Was passierte dann ??

Ellen bekam so etwas zu hören wie : „Stell dich nicht so an“, „Wenn das alles ist“, „Solange wir nicht mitkommen müssen“ ...

Ihr viel ein Stein vom Herzen. Nun freuen sich Ellen und ihr Mann ihren Verwandten und Bekannten demnächst über den ganzen Urlaub (also inklusive des nackten Teils davon) erzählen zu können.

So muss es sein.
So will ich es sehen.

Etwas ausführlicher hat Ellen ihre Geschichte im Blog der NFN erzählt : http://www.nfn.nl/mensen/blogs/open_en_bloot_ellen_blog_324


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

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