Streiflichter Nr..184 vom 9.02.2013

(1) Nackt um den Berg

Wenn man hierzulande vom Naturismus in Frankreich spricht, dann denken viele ganz schnell an die großen Ferienzentren.

Verständlich.
Aber es ist eine unvollständige Sicht.

Denn auch in Frankreich existieren zahlreiche – im Vergleich zu den großen Ferienzentren – kleinere Vereine und Gruppen, die zumeist – wie hierzulande – von den örtlichen Naturisten getragen werden.

Ein solcher Verein ist z.B. der „Club du Soleil de Valence“, der vor 25 Jahren in den Besitz eines „Bauernhauses“ mit etwas Gelände drumherum gelangte.

Hier ein Bild von den Renovierungsarbeiten :


http://csvalence.free.fr/wp-content/uploads/2001-07-Trav-La-Beraude.jpg

Inzwischen gibt es auch ein Schwimmbecken :


http://csvalence.free.fr/wp-content/uploads/DSCF2644.jpg

In Summe:
Es ist ein eher kleiner, nicht von Touristen, sondern von Einheimischen getragener und vermutlich in vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden geschaffener FKK-Verein.

Warum ich das sooo genau schildere ?

Damit die Nähe zu den klassischen Vereinen „meines“ DFK deutlich wird, und sie mir nicht mit so Ausflüchten wie „Nacktwandern, das machen die Franzosen nur wegen des Tourismus“ usw. kommen können.

Genau.
Nun kommt, was kommen muss :

Einige Mitglieder dieses Vereins besuchten im vergangenen Jahr an einem Wochenende den auch hierzulande bekannten FKK-Campingplatzes „Domaine le Romegas“

Mit Hintersinn.

Denn – so man es denn wirklich will – kann man von dort gleich nackt loswandern, was eine Gruppe von 8 Teilnehmern am Samstag dann auch machte. Es ging im Wechsel von Sonne und Schatten durch eine freie Landschaft "rund um den Berg":


http://csvalence.free.fr/wp-content/uploads/randonnue-5.jpg

Natürlich wurde unterwegs auch Rast gemacht :


http://csvalence.free.fr/wp-content/uploads/randonnue-4.jpg
(Rast, mit Blick ins Tal)

Dem so erlebnisreichen Samstag folgte ein ebensolcher Sonntag, als eine längere, dafür fast ohne Steigungen auskommende Nacktwanderung folgte.

Ich möchte – weil es eine gute Reklame fürs Nacktwandern ist - aus dem Bericht zitieren:

„Cette expérience, une première pour plus de la moitié des participants, restera pour tous une belle réussite. Ce fut un plaisir de découvrir cette région avec ses montagnes, sa lumière, ses odeurs, avec tous nos sens, sans vêtement pour nous isoler de son air et de sa chaleur ou gêner nos efforts pour gravir ses vallons.“

(siehe: http://csvalence.free.fr/?p=55 )


(2) Nackter Konvent

Weil die letztjährige NatConv ( was man – ja nach Laune – als „Naturism Convention“ oder auch „National Convention“ ausschreiben kann ) der „Britisch Naturism (BN)“ recht erfolgreich war, haben sie sich dort entschlossen, die Idee fortzusetzen und die Mitglieder zu einem „nackten Wochenende“ im September einzuladen. Derzeit wird ein umfangreiches Programm an Fortbildung und Workshops vorbereitet, welches der Entwicklung der BN und des Naturismus gewidmet ist.

Um die Sache „rund zu machen“ wurde gleich das ganze „Yarnfield Park“ in Staffordshire von der BN reserviert. Damit stehen den Nackten alle Einrichtungen des Zentrums (Vortragssäle, Besprechungs- und Übernachtungszimmer usw. - zusammen ca. 340 Räume) exklusiv zur Verfügung.


http://www.yarnfieldpark.com/gallery/yarnfield-park-gallery/Yarnfield%20Park%20May11%20045.JPG

Das ganze nackte Wochenende kostet den Teilnehmenden 132 Pfund (incl. Mahlzeiten).

Als Besonderheit – und als Idee „zum Nachmachen“ - möchte ich hier anfügen:

Die BN plant, an diesem nackten Wochenende dort auch ihre Jahreshauptversammlung abhalten, zu der natürlich alle Mitglieder kostenlosen Eintritt haben. Diese „Huckepack“-Lösung“ spart sehr viel Geld.


(3) Nackte „gegen“ Polizisten

Manche Dinge haben eine Wiederkehr.

Zum Beispiel regenmachers Streiflichter.
Und das Volleyballspiel des „Pineglades naturist club“ im neuseeländischen Cantenbury.

Der „Pineglades naturist club“ ist ein ganz durchschnittlicher FKK-Verein in der „New Zealand Naturist Federation (NZNF)“, die wiederum der INF angeschlossen ist.

Mit Gelände-“Hütte“,


http://www.gonatural.co.nz/Pineglades/images/intro_pic.jpg

wo z.B. auch Pétanque gespielt wird:


http://www.gonatural.co.nz/Pineglades/images/gallery/gal_petanque2_lrg.jpg

Oder Volleyball.

Nur das hier – einer uralten Tradition folgend – der Naturists Club gegen die örtliche Polizei und Feuerwehr antritt.

Vor wenigen Tagen, am „Waitangi Day“, einem neuseeländischen Nationalfeiertag, war es wieder soweit :

Ok - ich gebe es zu :
Die Chancen „Nackte gegen Polizisten“ waren nicht gleich verteilt.
Jedenfalls nicht wirklich.

Denn die Naturisten durften nackt spielen, während die Polizei (Selwyn District Police) und die Feuerwehr (Rollestone Fire Service) in – wenngleich auch etwas erleichterter - Uniform spielen mussten. Die Armen.


http://static.stuff.co.nz/1360125063/789/8269789.jpg

Ich will nicht schreiben, wie das Spiel ausgegangen ist, denn das ist hier nicht wichtig.

Wichtig ist aber etwas anderes:

Nach dem Spiel entledigten sich einige der Bekleideten schnell ihrer hinderlichen Kleidung und sprangen zur Erfrischung ins kühle Nass.

Aus dem „Tag der offenen Tür“ des Vereins wurde – mit Jahrmarkt, Hüpfburg usw. - eine Art „Volksfest“.

Nach den Beobachtungen von Terry, dem Vorsitzenden des Vereins, wird dadurch auch eine Veränderungen in der Haltung der Öffentlichkeit zum Naturimus deutlich:
Sobald das Unbekannte nicht mehr unbekannt ist, und dadurch nicht mehr bedrohlich wirkt, macht sich Akzeptanz breit.

( http://www.stuff.co.nz/the-press/news/8269612/Naturists-take-on-police-firefighters )


(4) Nackte Kreuzfahrt

Am Nachmittag des morgigen Samstags, den 09.02.2013, wird es wohl so weit sein.

Dann werden sich ca. 3000 Personen auf der „Carnival Freedom“ von Fort Lauderdale, Florida (USA) zu einer achttägigen, nackten Kreuzfahrt auf den Weg zur Costa Rica machen.


http://www2.macleans.ca/wp-content/uploads/2013/02/carnival-freedom.jpg

Das könnte ein neuer Rekord sein.

Organisiert wird die Kreuzfahrt von Nancy und Tom Tiemann, die vor über 20 Jahren in Austin (Texas) eine Art Reisebüro eröffneten, das in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 50 solcher „kleiderfreien Kreuzfahrten“ anbieten konnte.

Nancy entdeckte das sozialverträgliche Nacktsein in den achtziger Jahren und lernte es (damals noch Bankerin) als Befreiung kennen: Gemeinschaftliche Nacktheit auf der Kreuzfahrt – so Nancy Tiemann in einem aktuellen Interview – lässt die Mauern zwischen den sozialen Klassen schmelzen.

Nancy spricht sogar in diesem Zusammenhang – aus meiner Sicht überzeichnet – sogar vom „real Equalizer“.

Immerhin muss in der Idee von der nackten Kreuzfahrt wohl ein gewisses Potential stecken, denn anders sind die in den letzten Jahren erheblich gestiegenen Teilnehmerzahlen nicht zu erklären. Wenn sich an die 3000 Kreuzfahrer finden, dann will das schon etwas heißen.

Mit zum neuerlichen Erfolg haben wohl auch die Board-Regeln, nach denen „Intim“-Schmuck allenfalls in zurückhaltender Form und Fetisch-Kleidung definitiv nicht erlaubt sind, beigetragen, mit denen man sich erfolgreich von der Swinger-Szene absetzten konnte.

Details:
http://www2.macleans.ca/2013/02/06/the-largest-clothing-optional-cruise-in-world-history-is-about-to-set-sail/#more-347216


(5) Murdoch ermittelt ... bei den Nackten

Vor wenigen Tagen ging die 5. Folge der 6. Staffel von „Murdoch Mysteries“ über den kanadischen TV-Sender CBC. In der Serie ermittelt ein sehr entfernt der Figur „Sherlock Holms“ nachempfundener „Detective William Murdoch“ (gespielt von Yannick Bisson) in Kriminalfällen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.


http://i1.ytimg.com/vi/tP27sI5te6U/mqdefault.jpg

In der aktuellen, zur besten Sendezeit ausgestrahlten Folge „Murdoch au Natural“ führt die Spur in ein Naturisten-Camp, wo Murdoch von Helmet Lindemann (gespielt von Patrick Garrow) die Grundlagen der „Nackendkultur“ (gemeint ist wohl: „Nacktkultur“) erläutert werden :


http://youtu.be/tP27sI5te6U

Trotz der immer wieder an „strategischen“ Stellen eingebauten Abdeckungen und einer – sagen wir einmal - „vorausschauenden“ Bildregie ist diese Krimifolge schon ein Schritt in die Zukunft - zumal auch etwas an „Erläuterung“ zur Nacktheit herüberkommt.

Das „Helmet Lindemanns“ Dialekt weniger „deutsch“ als „schottisch“ ausfällt – was Stéphane Deschênes sogleich auffiel – möchte ich als verzeihliche Nachlässigkeit werten.

Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

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