Streiflichter Nr..186 vom 19.02.2013

(1) Premiere in Sydney

Am vergangenen Sonntag, den 17.02.2013, fand im australischen Sydney eine Welt-Premiere statt.

Ach - was schreibe ich ?

Es waren sogar gleich 400 Premieren.

In der Tat beteiligten sich weit über 400 Personen am mit viel Sorgfalt und von langer Hand vorbereiteten, ersten „Nacktschwimmen im Ozean“. Insgesamt war eine Schwimmstrecke von 900 Metern in Sydneys „Middle Harbour“ nackt zurückzulegen.

Schon am Morgen, gegen 8:00 Uhr bildete sich eine lange Schlange am Startplatz, dem Cobblers Beach, der noch wenige Minuten zuvor fast menschenleer war :


http://www.thesydneyskinny.com.au/images/banners/sydney-skinny-event-hp-banner1.jpg

Nigel Marsh – der Organisator des „Nacktschwimmens im Ocean“ - hatte sich viel Mühe gegeben, es vielen „Ersttätern“ möglichst leicht zu machen. Die Parkverwaltung, zu der der Cobblers Beach gehört, wurde als Unterstützer gewonnen.

Als dann auch noch die Temperaturen nahezu 25 Grad erreichten, konnte sich Nigel vor Zuspruch nicht mehr retten. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl mussten Gruppen von bis zu 50 Personen gebildet werden, die dann nacheinander in „nackten Wellen“ in ebensolche sprangen.

Erfreulich war hier auch die zu beobachtende Heterogenität der Teilnehmerschar:

Alt, jung, dick und dünn – alles war vertreten.


http://www.elespectador.com/files/images/201302/52a14381f510b3207c3eff517246cafc.jpg

Die „Startgelder“ der Veranstaltung in Höhe von 15000 australische Dollar (ca. 11000 Euro) gehen übrigens an die „Foundation for National Parks & Wildlife“,die die Mittel zur Anlage von Wanderwegen nutzen wird.

Nigel war am vergangenen Sonntag ganz „aus dem Häuschen“ und hat uns versprochen, das „Nacktschwimmen im Ocean“ im Hafen von Sydney zu einer jährlich wiederkehrenden Veranstaltung zu machen.

Er spricht gar schon von „tausenden Nackt-Teilnehmern“ - ich will ihn nicht bremsen.

Eines aber sollte schon jetzt klar sein:

Nigel Marsh – den Namen sollte man sich merken.

Und an die Föderation der australischen Naturisten, der „Australian Naturist Federation (ANF)“, geht der unbedingte Hinweis:

Nigel Marsh sollte umgehend eingeladen werden, mit ins Boot zu steigen. So viele Aktivisten, die es schaffen gleich beim ersten Mal hunderte von Mitmachern und Mitmacherinnen zu gewinnen, haben wir nämlich nicht.


(2) Naken – naturligvis

„Naken – naturligvis“ („Nackt – natürlich“ oder „natürlich nackt“) ist der Titel einer Jubiläumsschrift des Verbandes der norwegischen Naturisten „Norsk Naturistforbund (NNF)“, der damit in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert.

Genauer gesagt : So ist es geplant.

Natürlich kann und darf ich hier schon einen Blick in die großformatige, vielfarbige und mit vermutlich knapp 200 Seiten auch noch einigermaßen handliche Jübiläumsschrift werfen :

Naken - naturligvis
http://www.scandinavianaturist.org/NNF/en/jubileumsbok

Was sogleich auffällt :

Wenngleich sich darin Kapitelüberschriften wie „Slik det hele begynte“ ( „Wie alles begann“) und „Ildsjelene= („Enthusiasten/Idealisten“) finden, die auf den ersten Blick rückwärtsgewandt erscheinen, so zieht sich doch durch das ganze Buch die zukunftsorientierte Frage nach dem „Wo wollen wir hin ?“ („Hvor skal vi reise ?“, „Naken – i hvilke sammenhenger ?“, „Samfunnet og naturismen“ ... )

Interessanterweise ist – den Planungen nach - auch den „nicht organisierten Nackten“ ( „Den uorganiserte naturisme“ ) ein kleines Kapitel gewidmet.


(3) „Mr. Bean“ im „House of Lords“

„Mr. Bean“ - das ist nicht ganz richtig.

Gemeint ist vielmehr der Schauspieler Rowan Atkinson, der vermutlich vielen eher in der Rolle des „Mr. Bean“ bekannt sein wird :


http://i.telegraph.co.uk/multimedia/archive/02372/rexfeatures_145931_2372247b.jpg

Jener Rowan Atkinson hat im September des vergangenen Jahres eine Kampagne zu einer Gesetzesänderung gestartet.

Dabei ging es ihm um die „zunehmende Intoleranz“, die durch den „Section 5 of the Public Order Act 1986“ („Ordnungswidrigkeitengesetz Section 5“, kurz: S 5) gefördert wird.

S 5 stellt „beleidigende“ Sprache und „beleidigendes“ Verhalten unter Strafe, ohne das ersichtlich ist, was denn unter „beleidigend“ zu verstehen ist. Rowan Atkinson sieht z.B. die Gefahr, dass jener S 5 in seiner Beliebigkeit auch gegen unliebsame politische Opposition einsetzbar ist und somit die Entwicklungsmöglichkeiten behindert, ohne die eine freiheitliche Gesellschaft nicht auskommt.

In diesem Fall blieb es aber nicht bei Rowan Atkinson, denn Lord Geoffrey Dear – ein ehemaliger chief constable der „West Midlands Police“ und „HM Inspector of Constabulary“ - machte die Kampagne zu seiner Sache.

Weitere Unterstützer – wie das „Christian Institute“, die „National Secular Society“, „Big Brother Watch“, „The Freedom Association und die „Peter Tatchell Foundation“ - schlossen sich dem Anliegen an, so dass der Crown Prosecution Service (CPS), der bislang eben diesen „Section 5 of the Public Order Act 1986“ u.a. auch gegen Nackte an nicht explizit dafür bestimmten Orten anwendete, reagieren musste.

Inzwischen werden die Kritikpunkte, die gegen S 5 vorgetragen werden, auch vom CPS anerkannt. Das entnehmen wir einem Schreiben des „Director of Public Prosecutions“, Herrn Keir Starmer QC vom 06.12.2012.

Ein „Verhalten“, welches einfach nur „beleidigend“ ist, sollte in einer Demokratie nicht kriminalisiert werden – so Lord Geoffrey Dear am 10.12.2012 – dem Vorabend der Abstimmung im englischen Oberhaus (House of Lords).

Nun das Ergebnis :

Mit der überdeutlichen Mehrheit von 150 zu 54 Stimmen sprach sich das englische Oberhaus für die Initiative von Lord Geoffrey Dear ( und Rowan Atkinson ) aus.


(4) „Doppelschicht“ in Wien

Wer hätte das geahnt ?

Als die Nackten für den frühen Abend des vergangenen Montag in die Ausstellung „Der nackte Mann“ des Leopold Museums nach Wien eingeladen wurden, hatte die Museumsmannschaft mit vielleicht 20 oder 30 Personen gerechnet.

Gut – wenn es hoch kommt – vielleicht auch 60.

Dann aber kamen 300, so dass den Museumsführern nichts anderes übrig blieb, „Doppelschichten“ zu fahren, so dass aus den stündlich angesetzten Führungen, halbstündige wurden.

Anders war das nicht zu schaffen.

Wie man der aktuellen Presse und dem TV entnehmen kann, fand die Aktion reichliches, zumeist neutral – gelegentlich auch ausgesprochen positiv - berichtendes Echo.

Hier ein kurzes Video von Besuch der Nackten in Wien:


http://api.dmcloud.net/player/pubpage/4e7343f894a6f677b10006b4/512326759473990ac300174b/a1d8377c757f4a08b54c759c7c0743d0?wmode=transparent&autoplay=1

Wie man der aktuellen Presse und dem TV entnehmen kann, fand die Aktion reichliches Echo.

Erfreulich :
Die Museumsdirektoren Tobias G. Natter und Peter Weinhäupl lobten die Nackten und zeigten sich überrascht vom Zuspruch der Nackten, die sich bei frühlingshaften Innen-Temperaturen von 22-23 Grad die umfangreiche Ausstellung zu Gemüt führten.


http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2013/02/18/3885/002_20130218_n_preview.jpg
Foto: Katharina Rossboth / Leopold Museum Wien

Und was sagt der DFK dazu ?

„Echt cool ...... ;-) “

(Hinweis: Unter http://www.apa-fotoservice.at/galerie/3885/ hat das Leopoldmuseum heute Mittag 58 hochformatig herunterladbare Aufnahmen – wie das vorstehende – von der gestrigen Veranstaltung – frei zur redaktionellen Berichterstattung - verfügbar gemacht. Achtung: ca. 160 MByte)

Jetzt kommt das Schlusslicht.


(5) Schlusslicht

So – nun sind wir beim „Rock Haven Lodge Inc“ in den USA zu Gast.

Der „Family Nudist Park“ ist Mitglied in der AANR.

Ganz klassisch – mit Clubhaus, Camping und mietbaren Hütten.

Bezüglich des Sportangebotes sind zu nennen:
Volleyball, Petanque, Billiard, Pingpong usw.

„Ja – das (oder ähnliches) haben wir hier auch alles“, höre ich aus Hannover vom DFK.

Pass auf, denn jetzt kommt es:

Sie haben dort auch eine eigene Feuerwehr.
Mit eigenem Feuerwehrwagen :


http://www.rockhavenlodge.com/images/facilities/img-4-thumb-enlarged.jpg

Immerhin.

Als sie mir dann aber erzählten, dass dort regelmäßig (will heißen: fast an jedem Wochenende) Autorennen veranstaltet werden, da wurde ich hellhörig, denn eigentlich ist das mit Naturismus ja nicht so richtig vereinbar. Und hat damit auch überhaupt nichts zu tun.

Sie haben mich beruhigt:
Ich solle mich nicht aufregen, denn es handele sich um Modellautos, mit denen die Rennen gestaltet werden, und mit FKK habe das auch etwas zu tun, was sie mir durch folgendes Foto von einem nackten Automodell beweisen wollten:


http://rockhavenlodge.com/images/race/pits2.jpg

Na, na – ich glaube, die nehmen mich nicht für ganz voll.

Allerhöchste Zeit, hier wieder einmal Schluss zu machen.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

Zurück