Regenmachers Streiflichter Nr. 145

(1) Weltrekord

Am vergangenen Sonntag trafen sich einige Nacktwandernde auf einem Parkplatz bei Herborn im Lahn-Dill-Bergkeis zur „9. Nacktwanderung an Pfingsten“.

Was heißt hier: „einige“ ??

Es waren nicht 20.
Es waren nicht 40.
Es waren auch nicht 80.

Es waren - sage und schreibe – 92 !

Das ist ohne jeden Zweifel die größte Zahl von Nacktwandernden die sich jemals auf diesen Erdenball zum gemeinsamen Nacktwandern getroffen haben.

Sozusagen : Weltrekord.

Aber nicht nur die große Zahl markiert den Erfolg dieser inzwischen traditionellen Nacktwanderung. Auch die nun zunehmend demographisch repräsentativere Zusammensetzung der Wandergruppe setzt neue Maßstäbe.

Bei idealem Wanderwetter ging es über schmale Trampelpfade und breite Feldwege, gelegentlich auch auf leicht federnden Waldboden ohne Störungen in eine hügelige Landschaft, die auch mehrfach den weiten Blick in eine freie Welt bot.


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Solch ein Erfolg kommt nicht von ungefähr :
Die von den Organisatoren (Horst und Frank) im Vorfeld ausgesuchte Wegstrecke bot genug Möglichkeiten der kurzfristig eingeschobenen Änderung, so dass auf alle Gegebenheiten reagiert werden konnte.

Im Anschluss zur 9. Pfingstwanderung war Gelegenheit, gemeinsam einen nahen Biergarten zu besuchen, wo bis in die frühen Abendstunden hinein Pläne für weitere Veranstaltungen geschmiedet wurden.

Ich erinnere mich noch sehr gut der Anfangszeit, als sich zunächst kaum ein Dutzend Teilnehmer zu dieser inzwischen traditionellen Veranstaltung einfanden. Stetig kamen neue hinzu. Mit jedem Jahr konnten wir neben alten Bekannten auch neue Teilnehmer begrüßen. Vielen „begegnete“ ich schon – zumindest ein wenig – im Forum. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es eine „Begegnung“ nennen will, wenn ich die Zeilen einer anonymen „X“ oder eines anonymen „Y“ lese ? Dies ist wohl nicht wirklich eine Begegnung.

Anders verhält es sich bei einer gemeinsam gestalteten Unternehmung.

Vielleicht kann der nun schon über etliche Jahre immer wieder gestiegene Zuspruch zu den gemeinsamen Nacktwanderungen auch als Suche nach mehr Begegnung gesehen werden ?


(2) TV-Komödie über Nacktivisten

In fast 14 Tagen wird über einen der französischen TV-Kanäle zur aller-besten Sendezeit um 20:30 Uhr eine Komödie „A dix minutes des naturistes“ ausgestrahlt, die sich – durchaus auch in ernster Absicht – mit dem Thema Naturismus/Nudismus/Naktivismus usw. beschäftigt. Und wie es sich für eine ordentliche Komödie gehört, kommt darin auch eine kleine „Beziehungskiste“ vor.

Die mit mindestens einem zwinkernden Auge erzählte Geschichte bietet ein breites Betätigungsfeld für die beteiligten Schauspieler, den belgischen Drehbuchschreiber Jean-Luc Goossens und den Regisseur Stéphane Clavier.

Hier ein passendes Szenebild aus dem Film.
Eine Demo der Nacktivisten :


http://a2.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-prn1/546544_365429626849687_610851589_n.jpg
(Foto: Jean-Pierre Amet - TV1)

Macha Méril berichtet von den Dreharbeiten, dass diejenigen Schauspieler, die die Nackten darzustellen hatten, in allen Fällen sehr schnell ihre eigene Nacktheit zunehmend natürlich fanden, und sie in Folge sogar häufig „vergaßen“, was wiederum zu lustigen Erlebnissen beim Dreh führte. Darüber schreibe ich hier jetzt aber nicht. Statt dessen kommt nun ein ganz, ganz kurzer Zeitraffer-Ausschnitt. Sozusagen - wie heißt das so schön - als Trailer:

Schon jetzt wird unter den französischen Naturisten/Nacktivisten über die Komödie diskutiert.
Ich will mich Bruno Saurez anschließen, der allen Franzosen den Tipp gibt:

Montag, 11. Juni 2012. Um 20:30 Uhr Kanal TF1 einschalten.

Nebenbemerkung:
Weil es „Beziehungskisten“ nicht nur in Frankreich gibt und das „Europäische Parlament“ auch in der Komödie „mitspielt“ - ist es eigentlich eine internationale Komödie, die zumindest in Europa verstanden würde. Mit meinem geistigen Ohr höre ich quasi schon die deutsche Synchronisation. Wann die Komödie aber hierzulande zu sehen sein wird, kann ich nicht vorhersagen.


(3) Jubiläum in Ungarn

Gerade berichtete ich kurz von der diesjährigen Pfingstwanderung am 27.05.12.
Just zum gleichen Zeitpunkt fand in Ungarn eine der dortigen Nacktwanderungen (Na-Túra) statt.

Es war die 25. Veranstaltung in der Reihe der vom dortigen FKK-Verein „NaVKE“ ( im offiziellen, der INF angegliederten Verband der ungarischen Naturisten „Federation of Naturists in Hungary“) schon seit vielen Jahren angebotenen Nacktwanderungen.

So etwas muss natürlich gefeiert werden.
Zum Beispiel mit einem Kuchen :


http://www.navke.hu/images/2012/natura/20120623/IMG_5575a.jpg

Einer der Teilnehmer hat einen kleinen Bericht über die Jubiläums-Nacktwanderung zusammengestellt, aus dem ich auszugsweise zitieren darf:

Danach wurde er schon am frühen Morgen - nach kurzer Nacht – von der hellen Sonne und zwei Tassen Kaffee geweckt. Derart beflügelt machte man sich auf zu einem Bahnhof in Kiskunhalas. Dort warteten schon alte und auch inzwischen neu hinzugewonnene Bekannte. Gemeinsam ging es sogleich ins Wandergebiet, wo sich jeder schnell von Überflüssigem befreien konnte. Der Berichterstatter schreibt von Freiheit und Weite. Letzteres ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen, denn die Gruppe kam gleich zu Beginn an ein mehrere Hektar großes Feld, dass den weiten Blick freigab:


http://www.navke.hu/images/2012/natura/20120623/fokep.jpg

Im weiteren Bericht wird in farbig malenden Worten von „Sinneserfahrung“ und elementaren Erfahrungen gesprochen. (blendend hellem Sonnenlicht, tief-blauer Himmel und satt-grünem Gras)

Zur Sinneserfahrung gehört für viele auch das Barfußlaufen, das hier ebenfalls versucht werden konnte:


http://www.navke.hu/images/2012/natura/20120623/IMG_5538a.jpg

Wie immer gab es auch hier wieder Altes und Neues zu entdecken.
Ein Hochstand:


http://www.navke.hu/images/2012/natura/20120623/IMG_5560a.jpg

Und so ging es dann weiter:


http://www.navke.hu/images/2012/natura/20120623/IMG_5510a.jpg

Ich möchte – wie auch hb, von dem der mir vorliegende Bericht zur Nacktwanderung stammt, mit dem Zitat eines der Teilnehmenden schließen:

„Én csak annyit tudok, hogy remekül éreztem magam"
("Ich weiß nur, dass ich mich großartig gefühlt habe")


(4) Portmouth

Am vergangenen Samstag fand im Portmouth an der englischen Südküste bei idealem Wetter eine frühe WNBR-Veranstaltung statt. „Früh“ deshalb, weil die anderen englischen WNBRs zumeist erst für Ende dieser bzw. Ende der nächsten Woche geplant sind.

Liste der englischen WNBRs 2012:

1. Bristol,
2. Cardiff,
3. Edinburgh,
4. Exeter,
5. London,
6. Manchester,
7. Nottingham,
8. Portsmouth,
9. Sheffield,
10. Southampton
11. York

Im gewissen Sinne bildete das WNBR in Portmouth also den „Auftakt“ zur diesjährigen WNBR-Saison in England. Wie ich einer Information der örtlichen Regionalgruppe des offiziellen Verbandes der britischen Naturisten (BN in der INF) entnehme, ist der frühe Termin mit Bedacht gewählt worden:

Es ging darum, das kommende „verlängerte“ Wochenende, welches dort voraussichtlich vielfach für Kurzurlaube genutzt werden wird, zu umgehen. Außerdem begannen am letzten Samstag auch die Ferien der örtlichen Universität. Um der dortigen studentischen Gruppe entgegen zu kommen, wurde in voller Absicht der vergangene Samstag als Termin gewählt.


http://a5.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-prn1/536660_10150817782685658_1239012057_n.jpg

Für Portmouth war es erst die zweite WNBR. Im Vorjahr beteiligten sich erstmal ca. 30 Radler. Heuer nahmen 77 Personen, darunter auch 5 Einradfahrer, an der friedlichen Veranstaltung teil – unterstützt von den örtlichen, polizeilichen Ordnungskräften. Letzteres erscheint mir von Bedeutung, denn so wie im letzten Jahr, wurden auch in diesem Jahr - wenngleich mit geringerem Erfolg - im Vorfeld Unterschriften gegen die Veranstaltung gesammelt. (An der durch diese Unterschriftensammlung initiierten „Gegendemonstration“ hat dann nur eine Person teilgenommen.)

Wenn man sich die derzeitige Entwicklung der WNBRs in England bezüglich Anzahl der Veranstaltungsorte und noch mehr bezüglich deren Ausrichtung anschaut, dann wird heuer eine Entwicklung sichtbar, die schon vor einem Jahr in ihren Anfängen in einem der Streiflichter aufgezeigt werden konnte:

Die WNBRs nähern sich den verwandten Themen und rücken damit näher an breitere Interessenskreise. Heuer kann ich das bereits an Beispielen verdeutlichen:

(a)
Das WNBR in Brighton am 10.Juni 2012 ist zu einem nackten Triathlon erweitert worden. Dieser sportliche Teil ist noch klein und wird nur ein Bruchteil des dortigen WNBRs sein, aber wie Duncon B., einer der Organisatoren in Brighton erläutert, ist diese, durch olympische Tradition inspirierte „Erweiterung“ willkommen (In England findet bekanntlich die diesjährige Olympiade statt)

(b)
Zunehmend werden wir – vielleicht auch in Kombination mit einer eher sportlichen Ausrichtung der Nacktradelveranstaltung – auch Verbindungen zur Wohltätigkeit ( „Gesammelt wird für ...“) finden.


(5) 2 Millionen Prospekte werben fürs Nacktwandern

„Jetzt ist der Regenmacher endgültig durchgedreht. 2 Millionen Prospekte - wer soll das denn bezahlen ??“

Ja - ok.
Nicht wirklich.
Jedenfalls nicht im wörtlichen Sinne der reißerisch gewählten Überschrift.

Aber irgendwie stimmt es dann doch.

Und das kam so:

Horst bat mich bei der letzten Nacktwanderung schon am Parkplatz etwas zur Seite. Mit verschwörerischem Blick deutete er mir, das er mir etwas zeigen wolle. Und in der Tat. Wie er den Font seines PKWs öffnet holt er dort eine großformatige Zeitungsseite hervor, die mit einem breiten Bild von einer der älteren Nacktwanderungen (29.07.2006) bei mir hinter dem Dorf geschmückt ist. Im Artikel ging es dann allerdings nicht um die großen Freuden des Nacktwanderns, sondern um Fragen zur Berufskleidung aus gewerkschaftlicher Sicht. Bei der großformatigen Zeitung handelte es sich um die April-Ausgabe 2012 des mit einer Auflage von fast 2 Millionen gedruckten Blattes „Publik“, welche an die Mitglieder der Gewerkschaft „ver.di“ verteilt wird.

Immerhin: 2 Millionen Mal.

Hier ein Ausschnitt aus der von Ver.di gewählten Nacktwander-Aufnahme, die auch schon in einer „DIE ZEIT“ zur Bebilderung eines längeren Artikels zum Nacktwandern diente – dort allerdings die den Wandernden von Ver.di untergeschobenen „Gedankenblasen“.

Link zum Ver.di - Artikel:
https://drei.verdi.de/schwarze-bretter/data/drei42_WEB_4-5.pdf

Da werden wohl auch so manche Ordnungsamtsmitarbeiter, von denen sicherlich etliche Mitglieder der Ver.di und somit Bezieher der „Publik“ sind, geschmunzelt haben.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

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